WLAN kommt in Heilbronn nicht voran

Umsetzung des ZEAG-Konzepts verläuft nur schleppend

In der „Stadt der Krämerseelen“ braucht Innovation offenbar immer etwas länger, wenn etwas per „ordré de Mufti“ ausgehandelt wird.
Es bedarf offenbar ohnehin erst den Druck von außen, dem man sich irgendwann nicht mehr entziehen kann, denn andere Städte und Gemeinden machen Heilbronn da etwas vor.
So sucht man dann nach Alternativlösungen, um wenigstens den Schein des Handelns wahren zu können.
Ausgerechnet in Heilbronn, dem angeblich fortschrittlichen Wirtschafts- und Bildungsstandort, läuft es jetzt mit dem Ausbau des freien WLAN-Netzes nicht anders.
Seit Jahren kommt man außer der Installation von ein paar Hotspots in der Innenstadt nicht weiter.
Daß man selbst kein Geld in die Hand nehmen möchte, ist zwar durchaus nachvollziehbar, ist aber dann der Sache wenig förderlich, wenn man sich in Abhängigkeit eines mit der Stadt zwar bestens verbundenes Wirtschaftsunternehmen begibt, das aber die getroffene Vereinbarungen nur äußerst schleppend umsetzt.

EU-Konzept
Jetzt hatte die Europäische Kommission Anfang November 2018 in einer Presseausgabe mitgeteilt, daß sie „Freies W-LAN für alle“ fördern will.
Gemeinden könnten sich ab 7. November für EU-finanzierte Internet-Hotspots registrieren lassen.
Bis 2020 werden 120 Millionen Euro für bis zu 8.000 Gemeinden in der gesamten EU bereitgestellt, erklärt dazu die EU-Kommission.
Sobald sich die Gemeinden im speziellen WiFi4EU-Portal registriert haben, können sie den Gutschein für das WiFi4EU-Programm im Wert von 15.000 Euro mit nur einem Klick online beantragen.
Bisher hätten sich mehr als jede fünfte Gemeinde in ganz Europa ihre Daten registriert und Kommunen, die sich noch nicht registriert haben und einen Gutschein beantragen möchten, hätten sich noch bis zum Beginn der Ausschreibung am 7. November auf dem Portal registrieren lassen können.
Die Aktion soll in den kommenden zwei Jahren etwa alle sechs Monate wiederholt werden.
WiFi4EU-finanzierte Netzwerke sind der Ausschreibung zufolge kostenlos, werbefrei und frei von der Erfassung personenbezogener Daten. Gefördert werden Netze, die bestehende kostenlose private oder öffentliche Angebote ähnlicher Qualität nicht duplizieren.

Anfrage der Bürgerbewegung PRO Heilbronn

PRO-Stadtrat Alfred Dagenbach nahm dies zum Anlaß einer entsprechenden Anfrage an die Heilbronner Stadtverwaltung.
Dazu bekam er dann vom zuständigen Sachbearbeiter der „Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen“, Florian Baasch, die Antwort, man habe sich seinerzeit mit dem Programm befasst.
Eine Beteiligung seitens der Stadt Heilbronn ist aber leider nicht möglich. Wir bauen mit der ZEAG ein für die Stadt und die Bürger kostenfreies, freies WLAN-Netz im öffentlichen Raum auf. Der Marktplatz und die Inselspitze sind bereits mit dem WLAN-Netz ausgestattet, derzeit laufen die Planungen für die Untere Neckarstraße und dem Platz am Bollwerksturm„, so Florian Baasch.

Hinderungsgründe
Einige Punkte würden gegen eine Bewerbung sprechen, bzw. würden diese ausschließen.
Zum Einen dürften laut Ausschreibungsunterlagen nur Netze gefördert werden, die bestehende kostenlose private oder öffentliche Angebote ähnlicher Qualität nicht duplizieren, dies wäre aber in Heilbronn mit dem ZEAG-Netz gegeben.
Zum Zweiten fördere Das Programm lediglich die Geräte- und Installationskosten der WLAN-Hotspots.
Alle übrigen Kosten für Projektierung, Ausleuchtungssimulation, Tiefbauarbeiten zur Anbindung an einen Internetzugang, evtl. benötigtes Straßenmobiliar wie beispielsweise Masten für die Access Points, Internetgebühren sowie Betriebs- und Instandhaltungskosten werden nicht gefördert und würden bei der Stadt Heilbronn liegen.
In der Kooperation mit der ZEAG liegen diese Kosten und Pflichten dagegen bei unserem Partner.
Und zum Dritten müßten WLAN-Hotspots für die Nutzer kostenlos sein, d.h. es dürfen keine direkten oder indirekten Entgelte, z.B. in Form von Werbung, geleistet werden.
Beim ZEAG-Netz würden aber Werbeeinblendungen auf der Startseite beim Einloggen ins Netz geschaltet, somit wäre es also nicht möglich, auch wenn es technisch machbar wäre, diesen WLAN-Hotspot in das ZEAG-Netz zu integrieren.
Man habe eine Beteiligung an dem EU-Konzept zwar intensiv geprüft, aber eine Teilnahme sei aus diesen genannten Gründen nicht machbar.

Ausbau läßt auf sich warten

Zum Stand des Ausbaus erklärte Florian Baasch, derzeit sei der Marktplatz sowie die Inselspitze einschließlich der Treppenanlage beim Theaterschiff mit kostenfreiem WLAN ausgestattet.
Florian Baasch: „Die Untere Neckarstraße und der Platz am Bollwerksturm sollten eigentlich zur Sommersaison 2018 mit freiem WLAN ausgerüstet werden. Jedoch konnten wir aufgrund technischer Probleme und den örtlichen Gegebenheiten den Zeitplan nicht halten. So wurde beispielsweise der Platz am Bollwerksturm im Laufe der Sanierung im Jahre 2014 mit einer hochwertigen Pflasterung und Verfugung ausgestattet, Tiefbauarbeiten waren daher so kurz nach der Sanierung untersagt. Die ZEAG hat nun aber eine Alternativplanung ausgearbeitet, Anfang nächsten Jahres wird mit der Installation begonnen. Anschließend sollen weitere Teile der Innenstadt mit freiem WLAN versorgt werden„.
Man arbeite beim Aufbau des WLAN-Netzes mit der ZEAG zusammen, dies stelle aber kein Exklusivrecht dar: „Jeder Anbieter kann ebenfalls ein freies WLAN-Netz in Heilbronn aufbauen„, so Florian Baasch.
Jedoch würden hier enorme Kosten anfallen:
Orientiere man sich am Fall Pforzheim, so dürfte ein kostenloses WLAN-Netz in der Heilbronner Innenstadt Ausgaben von ca. 250.000 Euro für einmalige Investitionskosten und Betriebskosten für drei Jahre verursachen.

„Made in Heilbronn“

Das nach eigenen Aussagen „wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der dynamischen Region der Weltmarktführer Heilbronn-Franken„, das „aufgrund seiner hervorragenden Verkehrsanbindung und seines hohen Fachkräfte- und Innovationspotenzials zu den bedeutendsten Wirtschaftsstandorten des Landes Baden-Württemberg“ gehört und in dem „Spitzenprodukte „Made in Heilbronn“ aus den Bereichen Maschinenbau, Fahrzeugbau, Verpackungsindustrie, Nahrungs- und Genussmittelsektor und Elektrotechnik (sic!)“ in der ganzen Welt im Einsatz sind, muß also doch noch einige Zeit mit dem WLAN-Fortschritt gedulden.

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