Fairtrade: Wem nützt es?

Top oder Flop, das ist die Frage, die sich PRO-Stadtrat Alfred Dagenbach nach der Abstimmung im Heilbronner Gemeindertat stellt, die über den Wunsch der städtischen Verwaltungsspitze zur Immageverschönerung entschieden hat.

Der dazu vorgelegten Drucksache zufolge „spielen“ Städte „eine wichtige Rolle bei der Umsetzung internationaler Entwicklungsstrategien“.
Im Rahmen der von den Vereinten Nationen im Jahr 2016 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele
haben „fairer Handel“ und „nachhaltiger Konsum“ einen hohen Stellenwert. Im Rahmen
des Aufbaus eines kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements will nun die Stadt
Heilbronn sich an der weltweiten Kampagne „Fairtrade-Towns“ (www.fairtrade-towns.de)
beteiligen.

Auch Heilbronn möchte dabei sein
Weltweit engagieren sich demnach mehr als 2.000 Städte an der Kampagne „Fairtrade-Town“ wie z. B.
London, Brüssel, Rom, San Francisco und Kopenhagen. In Deutschland können sich seit
dem Jahr 2009 Kommunen um den Titel „Fairtrade-Town“ bewerben. Seitdem sind bereits
533 deutsche Städte der Kampagne beigetreten. Aus Baden-Württemberg nehmen bislang
68 Städte (u.a. Stuttgart, Karlsruhe, Ludwigsburg, Bad Wimpfen, Flein, Untereisesheim und
Weinsberg) teil.
Vergeben wird der Titel „Fairtrade-Town“ von „TransFair – Verein zur Förderung des Fairen
Handels in der Einen Welt e.V.“ mit Sitz in Köln. TransFair wird von ca. 30 Mitgliedsorganisationen
aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Kirche, Sozialarbeit, Verbraucherschutz,
Genossenschaftswesen, Bildung, Politik und Umwelt getragen. Zu den Mitgliedsorganisationen
zählen Misereor, Brot für die Welt und die Welthungerhilfe.
Durch die Teilnahme an der Kampagne soll ein größeres Bewusstsein für einen fairen Handel
auf lokaler Ebene geschaffen werden. Mit einem Nachhaltigkeitssiegel ausgezeichnete
Produkte garantieren (Klein-) Bauern und Plantagenangestellten in Afrika, Asien und Südamerika
gerechtere Einkommen, die nicht von schwankenden Ernten und Weltmarktkursen
abhängen. Ziel ist es, ihre Eigenständigkeit zu fördern und ihre Lebenssituation zu verbessern.

Keine uneingeschränkte Zustimmung

Doch das Projekt fand nicht nur uneingeschränkte Zustimmung bei der üblichen Abnicker-Mehrheit des Gemeinderates.
Es gab auch Zweifel, Kritik und Ablehnung in einigen Reihen des Gemeinderates.
So erklärte PRO-Stadtrat Alfred Dagenbach dazu:
Laut Selbstdarstellung im Internet fördern Fairtrade-Towns gezielt den fairen Handel auf kommunaler Ebene und soll das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich für den fairen Handel in ihrer Heimat stark machen, sein.
Offenbar will man den Trend zum fairen Handel, was auch immer der Einzelne dazu im weiten Bereich von der Dritten Welt bis hin zu Öko und Bio darunter verstehen mag, kanalisieren und das zunehmende Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen sowie soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen ausnutzen.
Dabei sind natürlich auch die kommunalen Vergabequellen interessant und man räumt unumwunden ein, daß auf kommunaler Ebene der faire Handel in allen gesellschaftlichen Bereichen eine wichtige Rolle spiele, zunehmend auch bei der öffentlichen Beschaffung.
Natürlich möchte man sich einem Trend, der gegen Armut kämpfen möchte, nicht verschließen und als Außenseiter abseits stehen. Schließlich gibt es auch reihenweise positiv klingende Argumente dafür.
Doch steckt dahinter nicht nur ein besonders attraktives Geschäftsmodell zur Arbeitsplatzbeschaffung der Betreiber auf Kosten derer, die sich die über durch Zertifizierungsgebühren finanzierte Mitgliedschaft und Produktvermarktung leisten können, um dadurch bessere Preise zu erzielen,, während die wirklich armen Kleinbauern außen vor bleiben?
Das sind Fragen, die selbst die „taz“ mit einem kritischen Artikel am fairen Handel unter dem Titel „Die Ärmsten haben nichts davon“ aufgegriffen hat.
Darin wird von einem Wirtschaftsexperten Fairtrade unter anderem deshalb kritisiert, weil viele Kleinbauern durch hohe Anfangsinvestitionen ausgeschlossen würden.
In der Tat verfolgen wir mit dieser Drucksache lediglich einen populären Trend, von dessen Nutzen ich durch die Praxis erst noch überzeugt werden muß.

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