Mehr Ungereimtheiten in Landfahrer-Ermittlungen?

Im letzten Artikel über den Heilbronner Polizistenüberfall berichtete Georg Lehle über den blonden Sinti und Roma Dusan L. und fasste die Verdachtsmomente gegen ihn zusammen.

Lehle dazu auf seiner Webseite „Friedensblick“:

„Um 13:15 sah der Zeuge Heinz H. einen blonden Mann an der Theresienwiese, den er als Russen einschätzte, um 14:05 sah Lieselotte W. gleichfalls einen blonden (blutverschmierten) Mann von der Theresienwiese weglaufen, den sie gleichfalls als Russe ansah! Handelt es sich um die gleiche Person?“

In diesem Artikel verfolge ich seine Spur in den Ermittlungsakten weiter. Es kamen weitere Ungereimtheiten zum Vorschein, deren Hintergründe sich nicht ergründen lassen.

Am 25.04.2007 wurde Dusan L. um 11:15 kontrolliert, als er auf dem Weg nach Heilbronn war. Auf Grundlage einer Anfrage aus Schweden wurde er im Schengen-Raum polizeilich beobachtet.  Er und drei Familienmitglieder waren in einem Suzuki mit niederländischen Kennzeichen unterwegs. Der Polizei sagten sie, dass es nach Heilbronn gehe, zum zelten! Nach dem Überfall um 14:00 stellten Ermittler um 14:18 die Personalien von acht Sinti und Roma (Landfahrer) in Tatortnähe fest, darunter war er jedoch nicht selber, sondern nur einer seiner Mitfahrer.

Der Ermittlungsbericht der Kriminalpolizei Heilbronn vom 05.10.07
befasste sich mit den Landfahrern und informierte zur „Spur Nr. 101 -104“ gleich mehrfach falsch.

  1. Als „Spur 101“ wird die Aussage von Heinz H. bezeichnet, Spur 104 ist das Phantombild des Zeugen. Das würde heißen, dass der Zeuge bereits in seiner ersten Vernehmung ein Bild zeichnen ließ. Auf seinem Phantombild 6 ist jedoch ein anderes Datum verzeichnet – der 20.05.2009. Gibt es also zwei Phantombilder? Wie kann der Ermittlungsbericht vom August 2007 bereits als Betreff „Spur 104“ angeben? Es gibt auch eine Ungereimtheit bei der Zeugin Lieselotte W. Sie erkannte ihr eigenes Phantombild nicht wieder, welches sie 2007 (angeblich) zeichnen ließ. Deshalb wurde 2011 ein neues angefertigt.
  2. Phantombild Nr. 6 hat große Ähnlichkeit mit Dusan L. – sollte dies vertuscht werden? Zwei Fotos von ihm sind in den Lichtbildmappen der Soko. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen sind ausgerechnet seine Fotos von sehr schlechter Qualität. Sie sind beide Male stark abgedunkelt und nur schwarz/weiß. Wurden Zeugen etwa diese schlechten Fotos vorgelegt?
  3. Zum dritten enthält der Bericht nicht die Information von Heinz H., dass er die Landfahrer direkt an zwei Wohnmobilen stehen/sitzen sah. Er ordnete sie ihnen klar zu. Eines dieser Wohnmobile sah Heinz H. gegen 08:15 im Wohnmobil-Parkplatz in den Wertwiesen, wo um 14:30 gleichfalls ein blutverschmierter Mann gesehen wurde.
  4. Zum anderen steht dort, dass Polizisten die Landfahrergruppe, die sie um 14:18 auf der Theresienwiese kontrollierten, als Schausteller ansahen. Weil so viel los gewesen wäre, hätten die Polizisten sie mit Schaustellern verwechselt. Das ist jedoch eine Falschdarstellung. In dem Vermerk der Polizisten steht ausdrücklich, dass sie die Männer als Landfahrer erkannten.
  5. Der Bericht informiert wahrscheinlich, fünftens, falsch, dass nur einer der Mitfahrer um 14:18 kontrolliert wurde, „die drei Mitfahrer [wurden] nicht mehr festgestellt„. Daran gibt es Zweifel: Im gleichen Bericht befindet sich eine namentliche Auflistung aller Personen, die am 25.04. ab 14:30 auf der Theresienwiese kontrolliert wurden. Dort steht Dusan L. – ihm wäre sogar eine Speichelprobe abgenommen worden! Wenn dies so wäre, wäre er vom Verdacht der direkten Tatbeteiligung entlastet. Dann würde das Phantombild von Lieselotte W. einen anderen Mann darstellen.

Desweiteren nahmen Ermittler von seinem Auto die unglaubliche Anzahl von dreizehn DNA-Proben! SO.44.1 bis SO.44.13, Spurennummern 169001 bis 169013. Der Untersuchungsauftrag für die Proben stammt vom 19.07.2007, befindet sich jedoch nicht unter den veröffentlichten Akten. So kann nicht festgestellt werden, wo, wann und warum das Auto das Interesse der Ermittler weckte. Der Untersuchungsbericht datiert vom 15.06.09 und stellt die DNA-Funde am Auto dar. Die DNA sollte nur dahingehend analysiert werden, ob sie von den überfallenen Polizisten stammen würde. Das würde heißen, dass das Auto direkten Bezug zum Überfall gehabt haben könnte. Warum sollte es ansonsten so abgesucht worden sein.

„Die erhaltenen DNA-Profile wurden nur dahingehend
geprüft, ob die DNA-Profile von Geschädigter M.K.(…), von Geschädigtem M.A.(…) oder von „uwP“ enthalten sind.
Es wurden keine weiteren Zuordnungen unternommen.
Berechtigte D.L.(…), W.J.(…) und E.J.(…)“

Auf der anderen Seite ist das Autokennzeichen nicht in der Liste zu finden, in der die Kennzeichen aller in der Theresienwiese geparkten Autos stehen. Die Frage ist also, wo es stand.

Am Auto wurde sogar nach Handflächenmuster gesucht! Am 26.07.2007 steht in einem Vermerk, dass als Urheberin ein Familienmitglied gefunden wurde. Az.: KT-0698/07:

„(…) J. , Minka (…), verursachte die HandflächenspurNr. SO.44.14, gesichert an „Pkw Suzuki, NL-Kennz. GG-XX XX, Innenspiegel“ mit der Handfläche der rechten Hand. Die Identifizierung erfolgte anhand einer AFIS-Recherche.“

Im DNA-Untersuchungsbericht vom 15.06.2009 ist Dusan L. als „Spurenberechtigter“ für sein Auto aufgeführt. Das heißt, dass sein DNA-Muster bereits vor seiner ersten (offiziellen) Vernehmung vorgelegen haben muss.

Die Akten machen jedoch den Eindruck, dass Dusan L. erst am 16.04.2009 zum ersten Mal persönlich zur Sache vernommen wurde. Dabei betonte er, dass er nur kurz auf der Theresienwiese war, von 12:00-13:00. Dann wäre er wieder abgereist, nachdem er zwei seiner Mitfahrer absetzte. Eine (zweite) Kontrolle, vorherige Vernehmung oder die Abgabe einer Speichelprobe erwähnt er nicht.

„Als ich dort eingetroffen bin, war es vielleicht gegen 12 Uhr. Dann haben wir einen Kaffee getrunken und blieben vielleicht dort nur eine Stunde. Danach fuhren wir wieder weg. Wir waren ja nur mit einem PKW dort.“

„Nein. Ich wurde nur bei der Hinfahrt kontrolliert?“

Am 15.04.2009 erstellte Herbert T. einen Aktenvermerk über alle kontrollierten Personen auf der Theresienwiese. Dusan L. ist dort  nicht (mehr) dabei! In seinem Bericht vom 04.05.2011 steht, dass es erst durch Vernehmungen der anderen Landfahrer (die ab 2009 erfolgten) der Soko bekannt wurde, dass Dusan L. zur „Tatzeit auf der Theresienwiese“ war.

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