Schwarze Zahlen wichtiger als die Patienten?

Jetzt wehren sich auch die Mitarbeiter der SLK-Kliniken

Daß schwarze Zahlen wichtiger sind, als das Patientenwohl, ist inzwischen offensichtlich.
Daß das Krankenhauswesen wirtschaftlich zu führen ist – darüber gibt es keine Diskussion.
Wohl aber darüber, zu wessen Lasten das dann geht.
Und es ist, wie bereits berichtet, nicht nachvollziehbar, daß entgegen früheren Prognosen auf Biegen und Brechen eine Million Gewinn erzielt werden muß, während jede Theaterkarte mit 70 Euro von den Heilbronner Steuerzahlern subventioniert wird, was mit rund 8 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Alles nur Einzelfälle?
Das Problem ist indes keine Fata Morgana und garnicht so an den Haaren herbei gezogen, wie es die SLK-Kliniken gerne darstellen und mit Hilfe der Hofberichterstattung nebst unterschlagenen Leserbriefen und verharmlosenden Kommentaren herunterspielen will.
Man tut so, als ob man ein dringendes Problem aufgreifen würde, hinterläßt aber zu guter Letzt doch den Eindruck, daß alles gar nicht so schlimm sei.
So wird das Versagen der Verantwortlichen – Geschäftsleitung und Aufsichtsrat – beschönigt und freundschaftlich ins Positive verfälscht.
Genau dagegen wehren sich die Mitarbeiter der SLK-Kliniken nun massiv.

Auch die Gewerkschaft ver.di hat das keinesfalls Heilbronn allein betreffende Problem längst auf ihre Fahnen geschrieben und will eine Entlastung für Beschäftigte in Krankenhäuser erreichen.
Die Patienten erwarten eine angemessene Versorgung, die Beschäftigten endlich Entlastung“, so Irene Gölz, Leiterin des Fachbereichs Gesundheit und Soziales bei ver.di Baden-Württemberg.

Durch die Personalnot sei der Druck auf die Beschäftigten enorm. Selbst gesetzlich vorgeschriebene Pausen könnten oft nicht genommen werden.
Die Beschäftigten seien permanent in Sorge, nicht so pflegen und versorgen zu können, wie es fachlich geboten wäre.
Sie würden in Baden-Württemberg einen Berg von 4,5 Millionen Überstunden vor sich herschieben und vernachlässigen permanent ihre eigene Gesundheit, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen, wird berichtet.
Dauerstress belaste viele Beschäftigte und führe zu überdurchschnittlich hohen Krankenstände, hohen Teilzeitquoten und noch Schlimmerem.
Laut ver.di fehlen bundesweit 162.000 Stellen, 70.000 allein in der Pflege, in Baden-Württemberg seien es 20.000 Stellen, davon 9.000 in der Pflege.
64 Prozent der Pflegekräfte müssten nachts allein durchschnittlich 26 Patientinnen und Patienten pflegen und versorgen.

Die sich wehrenden Heilbronner SLK-Mitarbeiter, über die auch gemunkelt wird, man wolle sie als „Nestbeschmutzer“ ermitteln, widersprechen der SLK-Verlautbarung, es gebe keine zu hohe Überstundenbelastung bei den SLK-Kliniken und die Überstundenzahl liege „aktuell bei 18 Stunden kumuliert in 2017„.
Tatsächlich gebe es 80 bis 130 Überstunden und nicht nur 18, selbst in ihrer Freizeit würden sie per Telefonanruf aufgefordert, für ihre kurzfristig ausgefallenen Pflegedienstmitarbeiter einzuspringen.
Nachts seien viele Kollegen allein auf Station und wüßten oft nicht, wo sie zuerst helfen sollen, wenn auch noch ein Notfall eingeliefert werde.

Daß solche Arbeitsbedingungen letzten Endes auch im Blick auf das Patientenwohl nicht hinnehmbar sind, liegt auf der Hand.
Auch die als „vorübergehend“ dargestellte Nicht-Belegung von Betten „aufgrund der niedrigen Nachfrage in den Sommermonaten“ wird zu Recht scharf kritisiert.
Tatsächlich gibt es haarsträubende Fälle infolge der personellen Organisationsmängel durch die eigentlich in Frage zu stellende Klinikleitung.

So teilt ein Angehöriger und Leser unseres Berichtes SLK-Kliniken wieder in den Schlagzeilen vom 16. August 2017 einer in die Notaufnahme eingewiesener Patientin mit, was er als „eine nur rein menschliche Erlebnissituation in der Notfallaufnahme des SLK“ selbst erlebt hat, das „ja wahrscheinlich auch nur irrelevant und nebensächlich, da rein persönlich und subjektiv, menschlich lebend eben und nicht irgendein totes Stück Fleisch“ sei.

Weiter schreibt er, man könne niemandem vorhalten, wenn jemand nicht nachempfinden könne, „wie sich ein von COPD Gold 4 und Krebspatient im Endstadium betroffener Mensch fühlt, wenn er in der Situation eine akuten lebensgefährlichen Exarzerbation ist„.
Man stelle sich vor, selbst in die Situation gestellt zu sein, daß „ihre gesamte Atemluft, ein- und ausatmen nur durch einen Strohhalm erfolgen kann. Das ist der Normalzustand.
Und dann stellen Sie sich weiter vor, dass dieser Strohhalm durch einen Wattestück verstopft ist.
Das ist eine Ecarzerbation – das Gefühl nicht enden wollenden Erstickens.
Menschen in dieser Situation sind bei Bewusstsein aber völlig hilf- und wehrlos und natürlich in extremen Streß und Todesangst.

Und dann stellen Sie sich weiter vor, dass man Sie in einer Notaufnahme erstmal fast eine Stunde mit permanent gefühlten Erstickungszustand im Wartezimmer sitzen lässt.
Irgendwann wird Ihr Name aufgerufen von einer Person, die im Türrahmen stehen bleibt und Sie können selber versuchen, von ihrem Stuhl aufzustehen um die Notaufnahme auf eigenen Füssen erreichen zu können.
Ohne Hilfe eigentlich unmöglich.
Der Notfall-Mitarbeiter bleibt aber stur in der Tür stehen, hält nur eine Akte in der Hand und es geht ihm offensichtlich nicht schnell genug, wenn Sie seiner Aufforderung versuchen zu folgen.

In der Notaufnahme selbst eilt der Mitarbeiter Ihnen mit schnellen Schritten voraus durch einen gefühlt unendlich langen Flur in Richtung eines Behandlungszimmers.
Im Behandlungszimmer angekommen, wird Ihnen ein Hocker angewiesen und der Notfall-Mitarbeiter, der Sie in diesen Raum geführt hatte, übergibt Ihre Akte drei dort bereits anwesenden Mitarbeitern, die Ihre Akte wie beiläufig wirkend entgegennehmen, weil sich diese drei mitten in einem Gespräch über persönliche Dinge betreffend befinden und sich in diesem offensichtlich auch nicht stören und ablenken lassen wollen.

So sitzen Sie dann da, auf ihrem Hocker mitten in einem grossen kahlen eiskalt beleuchtetem Raum, umgeben von drei Menschen die sich eiskalt über persönliche Dinge betreffend unterhalten und sie noch nicht mal eines Blickes würdigen.
Irgendwann einmal, nach einer gefühlten Ewigkeit machen sich dann diese Menschen daran irgend eine Tätigkeit an Ihnen zu verrichten.
Der eine legt Ihnen eine Manschette an um den Blutdruck zu prüfen.
Jemand anderes steckt Ihnen ein Instrument an die Finger. Der Dritte Mitarbeiter schaut in einen Computer.
Und die ganze Zeit unterhalten sich diese Mitarbeiter über sie persönlich betreffende Dinge, lassen sich über die Zustände der diversen Abteilungen im Krankenhaus aus, lästern über andere Mitarbeiter.
Und während der ganzen Zeit redet kein Mitarbeiter aber mit Ihnen, niemand stellt sich vor, niemand schaut Ihnen in die Augen, niemand fragt sie etwas, vielleicht wie es Ihnen geht; Sie werden behandelt wie ein Stück Fleisch, so achtlos wie von Veganern umgeben.
Man befasst sich mit Ihrer Akte, arbeitet irgendwas an Ihnen ab und während der ganzen Zeit aber ist man mit den anderen Kollegen damit beschäftigt sich über persönliche Dinge in einem Gespräch auszulassen.

Und während dieser ganzen Zeit sitzen sie da, ringen mit jedem Atemzug um Ihr Leben, haben Todesänsgte, sind in innerlicher Panik, völlig auf sich allein gestellt, völlig entkräftet und gezwungen jede Minute irgendwie überstehen zu können.

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit werden Sie dann von einem dieser Mitarbeiter aufgefordert ihm zu folgen, hinaus auf den endlos langen Gang in Richtung irgend eines anderen Bereichs.
Dieser Mitarbeiter eilt Ihnen mit langen Schritten voraus, bleibt dann aber immer wieder stehen und schaut Sie mit rügend ungeduldigem Blick an, dass und weil Sie nicht in der Lage sind so schnell folgen zu können.

Irgendwann haben Sie es dann geschafft an das gewünschte Ziel zu kommen wo der Mitarbeiter Ihre Akte an jemand anderen übergibt und sie von diesem anderen Mitarbeiter aufgefordert werden in einem anderen Raum auf einem Stuhl Platz zu nehmen und zu warten bis jemand kommt. Dann sind sie erstmal wieder allein.

Was sich vielleicht so selbstverständlich liest, bei alledem versuchen Sie sich bitte vorzustellen, die Realität ist, dass Sie als betroffene Person die ganze Zeit in Todesangst sind, völlig entkräftet, permanent versuchen müssen soviel Atemluft zu bekommen, dass Sie sich überhaupt auf den Beinen halten können und selbst das setzen eines Fußes um 30 cm gehen zu können, Sie soviel Kraft kostet, als ob Sie einen 30-Tonner LKW hinter sich herziehen müssten.

Natürlich das klingt alles nach Polemik, subjektiv empfunden; unbestritten. Krankheit, Todesängste und Todeskampf und auch Kampf und leben zu können, sind menschlich allesamt subjektive Gefühle.
Aber für die Betroffenen sind es reale und tatsächliche Ängste und Gefühle.

Ich selbst war während diesem ganzen Prozedere mit anwesend, im Hintergrund, still schweigend und nur bei meiner Frau, versuchend Ihr die Ruhe und Kraft zu geben und auch Hilfe zu geben die sie von all den Menschen in der SLK-Notaufnahme nicht erhalten hatte, von denen sie allein und sich selbst überlassen blieb.

Unabhängig davon, dass ich es schlimm empfand meine Frau in Ihrer Notsituation zu sehen, erleben zu müssen – das härteste und grausamste sah ich in der SLK-Notaufnahme, dass und wie man dort mit einem Menschen in höchster Not und Todesangst umgegangen und verfahren war.
Diesen Menschen einfach als Fall abgehandelt hatte wie ein Stück Fleisch, ohne Gefühle, ohne Seele, ohne jedwede Ansprache.

Und um den möglichen berechtigen Einwand gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Nein, an diesem Tag, im Mai diesen Jahres, war die Notaufnahme sowas von nicht ausgelastet, sogar schon als fast menschenleer zu bezeichnen. Im Wartebereich saßen vielleicht 4 bis 5 Personen.
In der Notaufnahme selbst war die überwiegende Mehrzahl der Behandlungszimmer leer.

Es ist richtig, für fast niemanden ist es möglich einzelne Fallschilderungen zu verifizieren, zumal wenn es um medizinische Behandlungsfragen geht.
Aber für jeden möglich und sollte es sogar in einem Krankenhaus selbstverständliche Grundvoraussetzung sein, dass man Menschen als Mensch begegnet und als solche behandelt, auch und erst recht wenn sich diese in subjektiven emotionalen Not- und Ausnahmesituationen befinden.

Die beste, teuerste und aufwendigste Geräteausstattung eines Krankenhauses ist ein nichts mit dem man sich brüsten und profilieren kann, wenn das Wichtigste in einem Krankenhaus fehlt – Menschlichkeit die anerkannt ist; Menschen die für Menschen da sind. …

Man möge zur Kenntnis nehmen: Jedes Leben ist ein Einzelfall und Menschen sollte man gerade und erst Recht in einem Krankenhaus nicht gedanklich abhandeln und abfertigen wie Hühner in einer Legebatterie, auf Effizienz, Leistung und Gewinn optimiert, meint der Leser abschließend.

Ist es ein Wunder, wenn unter den eingangs geschilderten Arbeitsbedingungen die Behandlung von Patienten nur noch in zwangsläufig eingeschliffener Routine und herabgesetzter menschlicher Zuwendung erfolgt?
Das medizinische Personal hat eine solche Personalführung nicht verdient.
Woher soll Fürsorge von Mitarbeitern kommen, denen es selbst an solcher mangelt?

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