Gefahr für die Bundesgartenschau: Katastrophale Verkehrspolitik

stauPeinlich: Da muß also erst das US-Unternehmen Inrix kommen, um dem Heilbronner Beschönigungs-Klüngel die Tour des „Alles ist OK“ zu vermasseln.

Die größte Gefahr droht aber für die Bundesgartenschau, wenn diese katastrophalen Verhältnisse die  Besucher abschrecken, nach Heilbronn zu kommen: Spricht sich erst einmal herum, wie schwierig die Verkehrsverhältnisse sind, ist das nicht unbedingt für den Erfolg förderlich.
Dabei sind die Aussichten zur Besserung keinesfalls rosig, denn just zum gleichen Zeitpunkt soll beispielsweise eine neue Autobahnbrücke über den Neckar gebaut werden – zwischen zwei Anschlüssen, die zur Bundesgartenschau führen.
Nachdem auch die Zugverbindung nach Heilbronn nicht das „Gelbe vom Ei“ ist – an eine Verbesserung der Anbindung an das Fernzugnetz wird nur halbherzig Zeit verschwendet – und auch ein attraktiver Busbahnhof ist weit und breit zwar versprochen, aber nicht in Sicht: Wer nachts in Heilbronn ankommt, findet kein stilles Örtchen für ein dringendes Bedürfnis.

Daß die Verkehrspolitik der in Heilbronn dafür Verantwortlichen im Dezernat I und IV samt Gemeinderatsmehrheit sich seit Jahren in katastrophalen Zuständen befindet, ist dem Otto Normalbürger aus Heilbronn und seinem Umland längst klar, muß er sich doch tagtäglich damit herumquälen.

  • Ob in No-Go-Areas, in den zu bestimmten Zeiten angstvoll eine „Kontrolle des ruhenden Verkehrs“ weitestgehend vermieden wird,
  • ob ein unausgewiesener LKW-Rastplatz in den Böllinger Höfen aus lobbyistischen Gründen geduldet wird,
  • ob ein Autobahnanschluß zum Industriegebiet fehlt,
  • ob der Verkehr ganz bewußt mitten durch die Stadt geführt wird,
  • ob eine ganze Entlastungsstrasse aus partei- und finanzpolitischen Gründen so lange verzögert wird, bis es keine Zuschüsse mehr gibt:

Alles erfreut sich der Darstellung, als sei Heilbronn der Mittelpunkt der heilen Welt.
Doch nun wird dieses Insider-Bild von der „INRIX 2016 Traffic Scorecard“ erheblich gestört.
Wie das Presseportal ots erläutert, analysiert die INRIX 2016 Traffic Scorecard den Einfluss von Verkehrsstaus in weltweit 1.064 Städten über 38 Länder hinweg und ist damit die bislang umfangreichste Studie dieser Art – für Heilbronn mit einem ernüchterndes Ergebnis:

  • Heilbronn hat die höchste Gesamtstaurate Deutschlands (18%), gefolgt von München (15%)
  • In Heilbronn fließt der Verkehr in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus über den gesamten Tag gesehen am zähesten, die Stauraten auf den Ein- und Ausfahrtsstraßen lagen bei 35% während der Stoßzeiten, bei 30% tagsüber und bei 8% in Abendstunden
  • Am meisten Verzögerungen müssen Unternehmen, deren Mitarbeiter mit PKWs oder Transportern im Straßenverkehr unterwegs sind, in Heilbronn in Kauf nehmen, wo die Stauraten tagsüber auf allen Straßen bei 21% liegen, gefolgt von Würzburg mit 19%
  • Heilbronn (15%), Hamburg (12%) und München (9%) haben die höchsten Wochenend-Stauraten, dabei kommen Autofahrer in Freiburg (9,9 km/h) und in München (12,9 km/h) am langsamsten voran
  • Heilbronn liegt auch bei den Kosten, die die Staus für die Fahrer verursachen in der deutschen Spitze. Hinter München  nicht von Pappe: Die relativ kleine Stadt Heilbronn belegt  mit 2.581 EUR pro Fahrer und 143 Millionen Euro Gesamtkosten hinter München (2.418 EUR / 1.990 Mio. EUR) auch hier einen traurigen 2. Platz, gefolgt von den  weiteren Großstädten Köln (2.141 EUR / 1.180 Mio. EUR) und Stuttgart(2.121 EUR / 680 Mio. EUR)

Auch weltweit kann  Heilbronn mithalten: Die Stadt belegt weltweit Platz 46, liegt in Europa zwischen Oslo und Cheboksary an der Wolga und kommt weltweit noch vor San Diego.
Interessant ist die rasante Verschlechterung der Verkehrssituation in Heilbronn. Die Stadt lag  im weltweiten Ranking im letzten Jahr noch auf Platz 103. Auch das war alles andere, als eine Visitenkarte für die Heilbronner Verkehrspolitik.

INRIX (http://inrix.com/) veröffentlicht heute seine Traffic Scorecard 2016, bei der eine neuartige Methodik angewandt wurde. Die Analyse umfasst jetzt 1.064 Städte in 38 Ländern und ist somit die bisher umfangreichste Staustudie. Deutschland belegt im weltweiten Vergleich der verkehrsreichsten entwickelten Länder Platz fünf und landet europaweit auf Platz vier. Autofahrer verbringen hier zu Stoßzeiten pro Jahr durchschnittlich 30 Stunden im Stau.

Die Traffic Scorecard 2016 analysiert die deutschlandweite Verkehrslage von 62 Städten und großen Ballungsräumen. München führt das Ranking an und ist 2016 die verkehrsreichste deutsche Stadt, Autofahrer steckten hier während der Stoßzeiten durchschnittlich 49 Stunden im Stau fest. Dieses Jahr erstmals in der Traffic Scorecard gelistet, landet Heilbronn aufgrund des hohen Pendleraufkommens bereits auf dem zweiten Platz. Bezüglich der zu Stoßzeiten im Stau verbrachten Stunden liegen Stuttgart und Köln mit Heilbronn mit je 46 Stunden gleichauf.

Erstmals umfasst die INRIX Traffic Scorecard die direkten und indirekten durch Stau verursachten Kosten für alle deutschen Autofahrer. Zusammen ergeben diese Kosten für 2016 eine Summe von 69 Milliarden Euro, was pro Fahrer durchschnittlich 1.531 Euro entspricht.[2] Die Kosten pro Autofahrer sind etwa ein Drittel höher als in den Vereinigten Staaten oder dem Vereinigten Königreich. Mit 4,3 Milliarden Euro verursacht der Stau in Berlin die höchsten Gesamtkosten für die Stadt, gefolgt von Hamburg (2,36 Milliarden Euro) und München (1,99 Milliarden Euro).

Die INRIX 2016 Traffic Scorecard ermöglicht eine tiefgreifende Analyse von Staus in Städten und betrachtet das Verkehrsaufkommen zu unterschiedlichen Tageszeiten und über unterschiedliche Straßenabschnitte hinweg. Beispielsweise analysiert sie den Verkehr in Stadtzentren im Pendlerverkehr, während und außerhalb von Stoßzeiten sowie an Wochenenden.

„Die Methodik, mit der Inrix bei der 2016 Traffic Scorecard arbeitet, stellt den neuesten Stand auf ihrem Gebiet dar. Die Differenzierung der Kosten für direkte Erträge durch Zeitverlust und Kraftstoffverbrauch sowie indirekte Kosten durch verpasste Aufträge und gestiegene Preise machen es möglich, den finanziellen Einfluss von hohem Verkehrsaufkommen zu untersuchen“, sagt Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Verkehrsexperte an der Universität Duisburg-Essen. „Die Ergebnisse sind durchgehend überraschend, beispielsweise hätte kaum jemand München und Heilbronn an der Spitze erwartet. Trotz des großen Zeitverlustes in Staus ist Deutschland auf internationaler Ebene vergleichsweise gut gestellt. Da sich derzeit umfassende Maßnahmen zur Straßensanierung in Planung befinden, könnte sich die Situation kurzzeitig noch verschlechtern, wenn keine neuen Ansätze zur Problemlösung vorgestellt werden.“

„Die deutsche Wirtschaft verbesserte sich 2016, was zu einem schnelleren wirtschaftlichen Wachstum und höherer Beschäftigung führte. In Kombination mit günstigen Kraftstoffpreisen führte das letztlich zu einem Anstieg des Verkehrsaufkommens in der 2016 Traffic Scorecard“, sagt Graham Cookson, Chefökonom bei INRIX. „Das hohe Verkehrsaufkommen kostet die Wirtschaft Milliarden, es wirkt sich auf Unternehmen aus und kommt die Verbraucher teuer zu stehen. Deutschland muss sich überlegen, wie es mit der wachsenden Straßenfracht aus Süd- und Osteuropa umgehen will, die den Straßenverkehr weiter belastet. Damit wir das hohe Verkehrsaufkommen bewältigen können, müssen wir neue Optionen in Betracht ziehen, wie etwa mehr Home-Office-Möglichkeiten oder Investitionen in Big Data, um die Transportsysteme effektiver und intelligenter zu machen.“

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2 Gedanken zu “Gefahr für die Bundesgartenschau: Katastrophale Verkehrspolitik

  1. Guten Morgen in die Großgartacher Straße!

    Eine Frage stellt sich mir als „Pendler zwischen Platanenstraße im Kreuzgrund und der Glockenstraße in Böckingen Süd

    „Gibt es seitens der Stadt Heilbronn ein „tragbares“ Verkehrskonzept für die Zeiten der Großbaustellen?

    Ich befürchte Verkehrschaos (siehe heutige Belastung Großgartacher Straße) und Benutzung von landwirtschaftlichen Feldwegen in den Stadtteilen Kirchhausen, Frankenbach, Neckargartach, Klingenberg und Böckingen sowie in Leingarten;

    Hier speziell „Verlängerung Sinsheimer Straße in Richtung Industriegebiet Böckingen West und Feldweg nördlich des Leinbachs zwischen Frankenbach und Umspannwerken!

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